Das Altarbild über den Anwesenden in der vollbesetzten Britzer Hephata-Kirche hatte symbolische Bedeutung. Der drohende Sturm hatte die Schiffsinsassen ängstlich und verzweifelt werden lassen.
Hilflos schien das Schiff der Naturgewalt zum Opfer zu fallen. Aber für Kleingläubigkeit darf hier kein Platz sein: In der mutigen Tat liegt die Rettung.
In der Kirche war allerdings nicht von einer bedrohlichen Naturgewalt die Rede.
Es ging vielmehr um menschengemachte Gefahr.
Thema des Abends war der rasante Vormarsch der AfD, der sich aktuell bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt, aber auch in den anderen Bundesländern zeigt.
Hufeisern gegen Rechts hatte unter dem Titel Die Alarmglocken klingeln! Die Zukunft nach den Berliner Septemberwahlen: 2026/27 - das Jahr der AfD? zur Diskussion mit dem Politikwissenschaftler Friedrich Burschel eingeladen.
Burschel umriss in aller Deutlichkeit die aktuellen Gefahren, der der Demokratie durch die mit einer kaum nachzuvollziehenden Geschwindigkeit sich vollziehende Entwicklung droht.
Anhand von vielen Beispielen machte er deutlich, dass es mittlerweile in Deutschland Zonen gebe, in denen kaum noch Spielräume für demokratische politische, soziale und kulturelle Initiativen existieren, wo Menschen, die der AfD zu widersprechen suchen, öffentlich diskriminiert und mit Gewalt zum Schweigen gebracht werden.
Und diese Angriffe richten sich nicht nur gegen Menschen mit migrantischen Biographien, sie richten sich gegen alle, die dem völkischen Weltbild der AfD nicht folgen wollen, denen eine andere Welt als die des völkischen Eintopfs vorschwebt.
Die Lage nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen oder sie gar zu beschönigen, sei nicht nur ignorant, sondern fördere noch den Aktionsradius der Partei und ihrer Anhänger.
Vielmehr dürfe es in erster Linie nicht darum gehen, AfD-Wähler von der Widersinnigkeit zu überzeugen, eine Partei zu unterstützen, die sich gegen ihre materiellen Interessen positioniert.
In dieser defensiven Situation müssten die noch engagierten Demokraten sich vor allem darauf konzentrieren, sich zu sammeln und die Diskussion zu intensivieren, wie in diesen sich ausweitenden Regionen Schutz geschaffen werden könne, um eine völlige Zerstörung von sozialen Aktivitäten zu verhindern.
In der anschließenden regen Debatte - dieses drückte sich in 19 Wortmeldungen aus - wurde noch einmal darauf verwiesen, dass für Resignation kein Platz sei, vor allem in Berlin und Neukölln nicht.
Solidarität mit von rechtsmotivierten Angriffen betroffenen Personen müsse weiterhin organisiert werden, die zivilgesellschaftlichen Aktivitäten verstärkt und auf Straßen und Plätzen gezeigt werden, dass dieser völkisch-zerstörerischen Entwicklung eine entschlossene Opposition gegenüberstehe.
Verwiesen wurde auch auf europäische Beispiele, bei denen schon verloren geglaubte demokratische Strukturen zurückgeholt worden seien, z. B. in Polen, Ungarn oder Albanien.
Der rassistischen und sozialfeindlichen Politik der AfD müsse widersprochen werden.
Dass die Anwesenden dazu bereit sind, zeigte sich, als zu einer Flugblatt-Aktion in der näheren Umgebung der Kirche aufgerufen wurde.
Spontan verabredete sich eine zweistellige Zahl von Personen zu dieser Aktion.
Hufeisern gegen Rechts dankt Friedrich Burschel für seinen inhaltsschweren Beitrag, der Hephata-Gemeinde für die Überlassung des Kirchenraumes und allen Anwesenden für die faire und nachdenkliche Debatte.
Weiter so!